A Good Read Plus – Ulreich/Wehap Puch Cycle History

I was going to start this book review by saying “It´s a rare occasion”, but I´ll have to rethink this lead-in for two reasons: Firstly, the quality of cycling literature has vastly improved over the last few years, so it´s not a rare occasion any longer to find a well-researched and well-written cycle history book nowadays.

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Secondly, it´s a German book I´m reviewing, with captions translated into English, English language quotes and a very informative 15 page English summary in the appendix, but still it´s mainly German language. True, the illustrations are wonderful, full colour where available and worth the money alone, but you miss out on a lot if you can´t read any German and still try to peruse this book. So I´ll carry on in German.

Styria Schwarz Luzern

Es passiert nicht häufig, dass man ein Buch in die Hand nimmt und sofort, ohne es schon durchgelesen zu haben, denkt, dass man auf soetwas gewartet hat, weil es das Ansehen der Fahrrad-Geschichte-Forschung weiterbringt. Nicht nur ist Walter Ulreichs und Wolfgang Wehaps Buch über die Puch-Fahrräder ein respektabler Klotz von 400 Seiten in 23 mal 26 Zentimetern, dazu durchgängig vierfarbig und mit stabiler Fadenheftung im Hardcover, sondern es zeigt auch eine ideale Kombination aus Informationsfülle für Sammler, Entertainment und Wissenschaftlichkeit, die ihresgleichen sucht.

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Aber von vorn, oder besser, von hinten. Der Anhang eines großen Standardwerks – ein solches wird die Puch-Geschichte werden, da bin ich mir sicher – ist doch immer das, woran man sofort sehen kann, was Sache ist. Gibt´s ein Literaturverzeichnis? Sieben mikroskopisch eng bedruckte Seiten. Danksagungen? Voll externer Expertise. Einen Index? Auch die Mühe war dem Verlag nicht zu viel. Was hat der Sammler davon? Eine Rahmennummer-/Baujahrliste und ein riesiges Verzeichnis aller von Puch im Inland herausgebrachten Modelle. Und eine Auswahl von Katalogseiten.

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Das ist es eben – der Standard, den ein Werk braucht, um zu zeigen: Ja, auch wir nicht-universitären Geschichtler können das.* Wir machen den Schritt raus aus der nebligen Ecke der nur-populären Buntbücher mit angreifbaren Texten wegen nicht überprüfbarer Inhalte hin zu glasklarer, nachvollziehbarer, aber doch spannender Literatur, die erkennbar von Experten (wie Walter Ulreich, der “Steyr Waffenrad”-Autor, einer ist) geschrieben ist.

Und von Wolfgang Wehap – Radler, Journalist und früherer Leiter eines Regionalbüros einer großen Presseagentur. Das Buch liest sich wie ein Krimi, was natürlich jeder Aufstiegsbericht eines Industriellen vom Schlage eines Johann Puch vom Tellerwäscher/Mechanikergesellen zum Millionär ist. Das Puch-Buch möchte man gar nicht loslassen, trotz oder gerade weil auch unangenehme Züge der Puch-Geschichte wie die Ausbeutung von Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs (S. 165) oder der robuste Umgang mit Arbeiterrechten im ausgehenden 19. Jhdt. (S. 75) nicht ausgeblendet werden.

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Begleitet werden die eigentlichen Puch-Texte nicht nur von hunderten von Fußnoten; unaufdringlich untergebracht, aber doch präsent, wenn die Leser sie brauchen; sondern auch von Exkursen, die Zeitgeschehen, Menschen, technische Entwicklungen aus dem Fluss des Haupttextes heraushalten. Grün unterlegt sind diese Exkurse sofort kenntlich, leicht auffindbar und überhaupt eigentlich schon ein kleines Buch an sich. Beispiele: Der Exkurs zur Verwendungsgeschichte des Aluminiums. Interessant zu wissen, aber eben nur als Hintergrund für Puch wichtig, oder die fünfseitige Kurzbiografie des Rennfahrers Franz Gerger.

Styria Schwarz Luzern

Insgesamt quillt die Puch-Geschichte über von Information, die sich bei Walter Ulreich in 20 Jahren Arbeit an diesem Themenkreis angesammelt hat. Abweichend von der anfänglich chronologischen Herangehensweise gibt es beispielsweise ein Kapitel über Rennräder von Puch. (Das finde ich natürlich besonders spannend.) Bergmeister, Superleicht, Inter 10, Vent Noir, Ultima – Kindheitsträume, über die man endlich harte Fakten findet, wenngleich es hier einige Unklarheiten geradezuziehen gibt. Zunächst ist da die populäre Verwendung der Bezeichnung “Rennrad”. Auf S. 255 wird sie benutzt für ein Fahrrad, das deutlich kein Rennrad im engeren Sinne ist: “Dynamo mit Sportscheinwerfer und Kotblech-Rücklicht” zieren im Regelfall ein Sportrad. Die Ausstattung dieses Modells mit Allvit ist für 1963 auch eher in dieser Richtung zu verorten. Leider wird zwei Seiten später auch die von Berto schon vor Jahren widerlegte Legende von der 1973er Ölkrise als Auslöserin des Bike Booms in den Staaten bemüht.

Mistral Ultima 1981

Insgesamt jedoch ist die Geschichte der Puch-Fahrräder ein Buch, an dessen Qualität sich nachfolgende Projekte zur Radhistorie orientieren müssen.

Walter Ulreich, Wolfgang Wehap, Die Geschichte der Puch-Fahrräder, Weishaupt Verlag, Gnas, 2016, ISBN 978-3-7059-0381-4, €46.70.

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*Sicher, das Puch-Buch ist nicht das erste, das diesen Weg einschlägt, aber es ist doch dasjenige, das ihn m.E. bislang am konsequentesten geht.

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Illustrations in this review, courtesy of Ulreich/Wehap and Weishaupt-Verlag, are taken from Die Geschichte der Puch-Fahrräder.

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Disclosure: I have received a free copy of Die Geschichte der Puch-Fahrräder for review purposes.

Yeah. Fame at last.

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